Eigentlich passt dieser Beitrag ja nicht in meinen Blog. Hier soll es ja ausschließlich um schöne, nachdenkliche oder auch erstaunliche Begegnungen in und mit der Natur gehen. Aber nun muss ich doch etwas ganz anderes loswerden. Und so ein Blog ist ja genau genommen ein Tagebuch. Nur online halt.

Der Sinn des Schenkens liegt darin, einem geliebten Menschen eine Freude zu machen. Also für mich zumindest. Ich verbringe dann auch relativ viel Zeit damit, mir das richtige Geschenk zu überlegen. In meinem Kopf rattert es im Hintergrund, bis dann irgendwann die richtige Idee herauskommt. Oder es sind so spontane Geschenke, die mir praktisch am Wegesrand über den Weg laufen. Und ich muss immer schmunzeln, wenn ich daran denke, wie ich das Geschenk übergebe und der Beschenkte sich freut. Wenn ich keine Zeit habe oder ich schon bei dem Gedanken an das Schenken "müssen" genervt bin, dann lass ich es lieber. Da bin ich relativ kompromisslos. Pech für den oder die andere. Aber meist wissen sie ja nichts von ihrem entgangenen Glück. Da gibt es nur so ein paar Tage im Jahr, da ist das Schenken fast schon Pflicht. Klar Geburtstage gehören dazu. Und Weihnachten ja auch. Seit ein paar Jahren ja nun auch Ostern und Nikolaus bzw. in Süddeutschland noch der Pelzmärtl. Das ist der St. Martin.

Nehmen wir doch einfach mal den Nikolaustag. Früher gab es bei uns etwas zum Naschen, einen Apfel, eine Mandarine und ein paar Nüsse für jeden. Das war eine riesengroße Freude. Heute muss es eben ein bisschen mehr sein. Süßes gibt es eh jeden Tag. Mandarinen, die sind im Winter fast täglich in der Brotbox. Und ein Apfel? Tja was ist denn schon ein Apfel. Und mit Nüssen holst Du heute auch keinen mehr hinter dem Ofen hervor. Also noch ein kleines, bei manchem auch ein größeres Geschenk dazu. Nur das Besorgen der ganzen Geschenke kostet viel Zeit. Aber dieses Jahr waren die Schenkenden einfallsreich und haben die Zeit überlistet.

"Das Buch kannst Du doch gleich online bestellen. Ich gebe Dir mein Passwort und dann bestellst Du das auf meinen Namen. Als Versandadresse kannst Du ja dann Eure Adresse angeben. Die Rechnung kommt ja zu mir. Und einpacken machen die auch gleich. Dann muss ich mich nicht kümmern und das Buch kommt pünktlich zu Euch." Okay, praktisch ist es schon. Das gebe ich ja zu. Aber ich finde es auch irgendwie traurig. Das hat so gar nichts mehr vom Schenken von Herzen. Einfach eine Pflichterfüllung und fertig.

Aber wer nun denkt, dass wäre schon alles gewesen. Nein, es geht noch schneller. Frage-SMS:  "Welches Buch wünscht sie sich denn?" Antwort-SMS: "Keine Ahnung ich frage nach." Da ich zugegebenermaßen mit dem Simsen ein wenig schusselig bin, Asche auf mein Haupt, dauerte die Antwort zu lange. Also war nun noch ein etwas zeitaufwändigeres Telefonat erforderlich. Im Verlauf des Telefonats zwischen Vater und Tochter wurden alle nötigen Fragen geklärt. Und dann kam meine Tochter zu mir: "Mama, ich muss einmal kurz WLAN anmachen. Papa schickt mir auf mein E-Book ein Buch als Nikolausgeschenk." Wenige Minuten später war der Deal erledigt. Also, wenn ich gleich per SMS die richtige Antwort geschickt hätte, wäre das wahrscheinlich das schnellste Geschenk des Universums geworden. So hat es dann doch ein paar Minuten länger gebraucht.

Warum mich das so bewegt? Weil ich hoffnungslos romantisch und naiv bin. Und weil die beiden Ereignisse so kurz hintereinander passierten. Ich hatte einfach nicht genügend Zeit, beides getrennt voneinander zu verarbeiten und als zwei nicht zusammengehörende Symptome einer Krankheit zu betrachten. Aber es sind Symptome einer Krankheit. Nennen wir sie doch einfach Morbus temporalibus, die Zeitkrankheit. Keiner hat Zeit. Keine Zeit zum Reden, keine Zeit zum Träumen, keine Zeit zum Essen oder zum Trinken, eigentlich auch keine Zeit für die Toilette. Keine Zeit für die Liebe, keine Zeit für das Herz und die Seele. Dann fällt mir Michael Ende´s Geschichte von Momo ein. Momo und ihr Kampf gegen die Zeitdiebe. Das ist gar kein Kinderbuch. Das ist ein Blick in die Zukunft. Und die Zukunft, die ist nun da. Aber wo bleibt Momo?