Was hat Kunst mit der Natur zu tun? Da zitiere ich den deutschen Schriftsteller, Theologen und Pädagogen Johann Peter Hebel: „ In der ganzen Natur ist kein Lehrplatz, lauter Meisterstücke.“ Nehmen wir uns Zeit und gehen wir mit offenen Augen durch die Natur, dann sehen wir sie, die Kunstwerke der Natur. In jedem Baum, in jedem Schneckenhaus, ja selbst ein herabgefallenes Blatt ist ein Kunstwerk für sich.Ein Herz aus Blättern

In den 1960er Jahren entwickelte sich in Amerika eine Kunstrichtung, die als Protest gegen die damals vorherrschende künstliche Ästhetik und die auf finanziellen Gewinn und Ruhm ausgerichteten Kunstformen verstanden werden sollte, die Landart oder auch Land Art.

Amerikanische Künstler installierten zum Teil unter erheblichen Einsatz schwerer Maschinen riesige Kunstwerke in der Natur, die als Earthworks bezeichnet wurden. Dabei schreckten sie auch vor der Umgestaltung der Naturstandorte nicht zurück. So betonte der amerikanische Land Art-Künstler Michael Heizer: „Es geht um Kunst, nicht um Landschaft!“ Mit ihren vergänglichen und riesigen Kunstwerken wollten sie verhindern, dass weitere Kunstwerke als Spekulationsobjekte herhalten mussten. So waren selbst Fotos in den Anfängen verboten. In diesen überdimensionalen Naturkunstwerken finden sich die Wurzeln für alle heute unter der Bezeichnung Landart zusammengefassten Kunstrichtungen.

Mit dem einsetzenden ökologischen Bewusstsein wendeten sich zunehmend mehr Landart-Künstler von diesen radikalen Eingriffen in die Natur ab. Ziel ihrer Kunstwerke waren eher vergängliche Objekte aus Naturmaterialien, die sich in die vorhandene meist kultivierte Landschaft einfügten und die Besonderheiten der jeweiligen Standorte betonten und aufnahmen. Auch mit dem Hintergrund dekorative Elemente in der Natur zu schaffen. Die Pioniere dieser Form der Landart sind wohl die Engländer Richard Lang und David Nash, der Schotte Andrew Goldsworthy und der Deutsche Nils Udo. Sie entwickelten in den 70er Jahren eine sanftere Richtung der Landart und bezeichneten sie als Environmental Art.

SteinturmDie Merkmale aller Landart-Kunstwerke sind ihre Vergänglichkeit, das Verbleiben am Ort der Erschaffung und das den Kräften der Natur Überlassen der Kunstwerke. Diese Vergänglichkeit ist vielleicht auch ein Grund, warum diese Kunstrichtung bis heute relativ wenig populär ist.

In der Natur- und Umweltpädagogik ist Landart nach dem Vorbild der Environmental Art ein fester Bestandteil geworden. Kunst wird hier als ein Vermittler eingesetzt, um das Eingebundensein in die Natur und ihre Kreisläufe durch das eigene Handeln zu erleben. Die Ziele der Landart sind nicht große spektakuläre und perfekte Kunstwerke. Vielmehr geht es darum, den Blick für die Umgebung zu öffnen und mit den im Verlauf der Jahreszeiten wechselnden Materialien Kunstwerke zu erschaffen, die sich harmonisch in die Landschaft einfügen.

Landart öffnet den Blick für die uns umgebende Natur. Wer sich darauf einlässt, spürt ihre kreative und meditative Wirkung.