Ich werde wach. Meine Blase meldet, dass der Lavendeltee vom Vorabend angekommen ist. Ignorieren geht nicht mehr. Ich öffne die Augen und stelle fest, dass es schon beginnt hell zu werden. Also kann es nicht mehr so früh sein. Ein Blick auf die Uhr bestätigt, dass es bereits 6:35 ist. Der Wecker klingelt um 7:00. Ich stehe auf und gehe in Richtung Bad. Meine 5 ½-jährige Aussi-Hündin bleibt liegen. Ein Blick  bestätigt mir, dass mein fast 6 Monate alter Havanesen-Pflegehund uns bemerkt hat und fröhlich in seiner Schlafbox steht. Bereit für den Tag. Aber noch ist es nicht soweit. Ich gehe auf die Toilette und beschließe noch einmal kurz ins Bett zu gehen. Meine Hündin Indi wartet schon. Unser Morgenritual beginnt. Ich lege mich hin und sie springt zu mir ins Bett und wird ausgiebig gestreichelt und geschmust. Mein Pflegehund Lino wird ungeduldig und jammert.

6:45: Ich stehe endgültig auf. Ziehe die Vorhänge am Fenster zur Seite und öffne eines der Fenster zum Lüften. Alles was ich sehe, deutet auf einen herrlichen Spätsommertag hin. Dann befreie ich Lino. Er freut sich unbändig und Indi begrüßt ihn ebenfalls freundlich.

6:46: Ich gehe ins Bad. Zähne putzen, waschen, Schlafzeug gegen Straßenkleidung tauschen. Lino wird ungeduldig. Er muss mal dringend raus. Anspringen macht er nicht mehr. Das hat Indi ihm verboten

6:56: Ich schnappe mir Lino und trage ihn die Treppe runter. Indi kennt dieses Ritual nun schon und wartet mit leicht genervter Miene, bis wir endlich die Treppe runter gehen. Unten angekommen behalte ich Lino auf dem Arm und greife mir seine Leine. Ich kenne sein Vor-der-Leine weglaufen-Spiel schon und trickse ihn so aus. Gewonnen!

6:57: Alles zusammensammeln: Tüten für die Hundehaufen, feuchter Lappen für Linos Po, Guttis, Tragebeutel für Lino. Dann Schuhe anziehen, Jacke überwerfen, Handy einpacken und Indi anleinen.

7:00: Wir starten. Ganz in unserer Nähe gibt es eine Strecke mit Bademöglichkeit in einem kleinen Fluß. Wir schlagen diese Richtung ein. Zunächst die Leinen entwirren und dann geht es wirklich los. Beide Hunde kennen den Weg. Es ist still auf den Straßen und die Luft klar. Das wird ein angenehmer Spaziergang.

7:15: Einige Diskussionen mit Lino später (bei mir heißt an der Leine gehen, nicht an jeder Ecke stehen bleiben, das kennt er noch nicht) sind wir endlich am Flussufer angekommen. Ich befreie Indi von der Leine. Lino soll in seine Tragetasche, da der Weg für ihn sonst zu lang wird. Frei laufen soll er erst im zweiten Flussabschnitt. Dort ist es schöner.

7:20: Lino ist nun in der Tragetasche. Er war mit meinem Vorhaben nicht einverstanden und wollte lieber mit Indi laufen. Egal, er muss sich fügen.

7:30: Wir sind am zweiten Abschnitt angekommen. Indi und Lino dürfen beide freilaufen. Endlich! Nun kann auch ich entspannen und den Morgenspaziergang genießen.

7:45: Wir sind an der zweiten Brücke angekommen. Hier heißt es umdrehen. Beide Hunde folgen mir.

7:50: Wir sind an Indis Badebucht angekommen. Gestern wollte sie nicht schwimmen. Heute geht sie zur Bucht, dreht sich um und schaut mich fragend an. Ich erlaube ihr ins Wasser zu gehen. Sie geht freudig hinein und dreht laut prustend und schnaufend ihre Runden. Lino zappelt unruhig am Ufer auf und ab. Er weiß nicht so recht, was er nun machen soll. Ich leine ihn an und setze ihn in die Bucht. Ein kurzes Zögern und dann schwimmt auch er im Fluss. Er dreht eine große Runde und kommt zurück an Land. Er schüttelt sich und ist aufgeregt. Ich löse die Leine und er läuft aufgeregt auf und ab, Lebensfreude pur. Indi kommt auch an Land und schüttelt sich ausgiebig. Bei ihr ist das Schütteln erfolgreicher, als bei Lino. Er tropft noch immer. Ich muss lachen.

8:05: Nun geht es nach Hause. Ich bekomme langsam Hunger. Kurz bevor die Straße beginnt manövriere ich Lino wieder in seine Tragetasche. Ich setze mich dafür auf eine Bank und nehme Lino hoch. Er ist nicht nur nass, sondern auch sehr schmutzig. Meine frischgewaschene Jeans wird komplett nass und sandig. Egal. Diesmal hält Lino still. Er ist müde. Ich merke jedoch, dass die Tragetasche und das Bad sich nicht vertragen. Die Tasche ist schnell komplett nass und sehr sandig. Genauso wie mein Pullover. Nun gut.

8:20: Ich lasse Lino noch einmal laufen. Da wir an der Straße gehen bleibt er genau wie Indi nun angeleint. Ich schaue mir beide Hunde an und weiß, was mir zuhause droht. Verwundert stelle ich fest, dass Lino vergleichsweise sauber ist. Dann schaue ich meine Kleidung an und weiß warum. Indi und ich schauen uns an und wir freuen uns auf unser Frühstück.

8:30: Wir sind wieder zuhause angekommen. Ich husche ins Haus und hole eine Gießkanne voll Wasser für Indis Pfoten, eine kleine Wanne voll Wasser für Lino und zwei Handtücher. Ich reinige zuerst Indis Pfoten. Sie kennt das schon und hält still. Dann wird sie ausgiebig abgetrocknet. Und nun zu Lino.

8:45 Lino ist jetzt relativ sauber und muss nun abgetrocknet werden. Sein flusiges Fell ist schwer zu trocken. Ein bisschen trocken reicht ja auch. Nun dürfen beide Hunde ins Haus. Ich bemerke, dass meine Socken nun auch nass sind.

8:48: Ich ziehe mich komplett um. Beide Hunde bekommen Futter. Die Abdeckung für die Meerschweinchen wird geöffnet und die beiden bekommen ihr Frühstück. Zwischendurch koche ich meine Hirse und schneide die Melone für mein Frühstück. Ich habe nun wirklich langsam Hunger.

9:00: Ich schalte den Wasserkocher an. Bis das Wasser kocht habe ich noch Zeit meine schmutzige Kleidung in die Waschmaschine zu geben.

9:02: Ich bin in der Waschküche und höre ein leises Winseln. Ich dreh mich um und sehe Lino mit unglücklichem Gesichtsausdruck. Dann sehe ich, was passiert ist. Er hat auf den Teppich gemacht. Leider Durchfall. Kurz darauf muss er erneut. Diesmal auf landet es auf den Fliesen. Es ist sehr flüssig und spritzt auch an die Wand. Hm. Dann sehe ich das Unglück nahen. Lino tappt mit den Pfoten in den Haufen und ist auf den Weg in den Flur. Ich schreie laut: „Lino warte!“ Er erstarrt und setzt sich sofort hin. Puh! Das ging gerade noch einmal gut. Durch das Geschehen alarmiert kommt Indi angerannt. Ich befehle ihr stehen zu bleiben. Sie folgt meinem Befehl. Braver Hund!

9:03: Ich greife mir die Rolle Toilettenpapier und decke die beiden Haufen ab. Ich schnappe mir Lino und setze ihn vor die Tür. Die Tür bleibt offen, aber ich stelle das Gitter davor. So kann er mich sehen, aber nicht mehr herein. Dann ziehe ich mir Einmalhandschuhe an und entferne die Flecken provisorisch. Ich hole das Handdesinfektionsspray und schütte es großzügig auf die Stellen. Keine Ahnung, ob es sinnvoll ist. Aber es macht ein gutes Gefühl. Der Teppich kommt raus. Um den kümmere ich mich irgendwann später. Ich ziehe die Handschuhe aus und entsorge sie ihn der Mülltonne. Dann sehe ich, dass die Rolle Toilettenpapier auch verdreckt ist. Also auch weg damit. Das bedeutet aber auch, dass ich den Kot auch an den Händen habe. Also schrubbe ich meine Hände.

9:20: Nun zu Linos Pfoten und seinem Po. Ich fülle eine Gießkanne mit Wasser und greife mir eine Seife. Ich schnappe mir draußen den Unglückswurm und mache seine Pfoten nass, nehme die Seife und reinige die Pfoten mit der Seife. Das Gleiche mache ich mit seinem Po. Er findet das nicht gut und windet sich wie ein Wurm. Da ich inzwischen maximal genervt und in Richtung Unterzucker unterwegs bin, kenne ich keine Gnade. Er muss still halten. Dann ist alles halbwegs sauber und ich trockne ihn wieder ab.

9:30: Ich ziehe mich zum 2. Mal komplett um. Jeanshose, Pullover und Socken sind nass und mutmaßlich auch schmutzig. Dann lohnt sich die Waschmaschine wenigstens.

9:35: Nun zu meinem Frühstück. Ich habe inzwischen einen Riesenhunger. Ich will auf der Veranda frühstücken. Auf dem Weg von der Küche zur Veranda kommt mir ein kleiner Wirbelwind entgegen. Ein markerschütternder Schrei gellt durch unser Wohnviertel. Das war ich. Lino hat nasse und schlammige Pfoten und ist total gut drauf. Warum hat er so dreckige Pfoten? Egal, mein Schrei hat dafür gesorgt, dass er auf dem Absatz kehrt gemacht hat. So ist nur ein Teil  des Wohnzimmerfußbodens mit Schlamm verschmiert. Indi hat sich sofort unter den Tisch verzogen und wartet dort ab, bis das Unwetter sich verzogen hat.

9:46: Ich stelle mein Geschirr auf der Veranda auf den Tisch und hole erneut eine Gießkanne mit Wasser. Meine Laune ist am Nullpunkt angekommen und mein Hunger immens. Draußen schnappe ich mir Lino. Er ist nun etwas eingeschüchtert. Gut so. Dann ist die Reinigung der Pfoten weniger zeitaufwendig.

9:49: Ich trockne Lino erneut die Pfoten und mache ihm klar, dass ich jetzt richtig sauer bin und es nun keine Spielereien mit dem Handtuch mehr gibt.

9:53: Meine Socken sind nass. Ich wechsle sie zum 3. Mal.

10:15 Ich sitze am Tisch und starre auf mein Frühstück. Irgendwie habe ich gar keinen Hunger mehr.