Im Rahmen eines Projektes dokumentierte und katalogisierte Virebo eine historische Eiersammlung aus dem 19. und frühen 20. Jahrhundert. 509 intakte Natureier konnten der jeweils richtigen Vogelart zugeordnet werden. Dabei wurden 152 Vogelarten aus 43 Familien identifiziert.

Für die zeitgleich in Schwabach stattfindende jährliche Ausstellung des Vereins Vogelliebhaber in Schwabach e.V. wurde eine Auswahl aus der historischen Eiersammlung mit dem unten stehenden Informationstext zusammengestellt und auf dieser Ausstellung präsentiert.

 Eiersammlungen - Zierde oder doch mehr?Vogelausstellung 02 2014

Die größten Eiersammlungen wurden zwischen 1800 und 1930 erfasst. Dabei ging es den Sammlern damals sicher auch um den Ruhm, die größte und artenreichste Sammlung zu besitzen. Auch die Frage der Ästhetik spielte wohl eine Rolle. Gut verständlich, wenn man die fast unbegrenzt scheinende Vielfalt an Form, Farbe und Muster unter den Vogeleiern betrachtet.

Um 1930 geriet das Sammeln von Vogeleiern ein wenig aus der „Mode“. So dass der Großteil der heute existierenden Vogeleiersammlungen aus dem Zeitraum vor 1930 stammt. Heutige Vogeleierfreunde sind mit Notebook und Kamera unterwegs. Das Sammeln von Vogeleiern ist zum Schutz der Vögel streng reglementiert und nur mit Ausnahmegenehmigungen ausschließlich für wissenschaftliche Zwecke erlaubt.

Aber warum sind diese „alten“ Eiersammlungen von so großer Bedeutung? Vor dem Hintergrund, dass von rund 1/3 aller ca. 10.000 Vogelarten die Eier bisher nicht bekannt sind, kann man vielleicht den Wert der existierenden Eiersammlungen besser verstehen.

Anhand der Daten, die frühere Eiersammler zusammengetragen haben, können viele Fragen zur Biologie der Vögel geklärt werden. Und Hinweise zur historischen Brutsituation im Vergleich zur aktuellen Situation, lassen Rückschlüsse über mögliche Umweltschäden und Klimaveränderungen zu.

So konnte die Wirkung von DDT in den 1960 Jahren anhand von historischen Eiersammlungen geklärt werden. Bei einem Vergleich mit historischen Pelikan- und Falkeneiern zeigte sich, dass die Schale der frisch gesammelten Eier sehr viel dünner war. So dünn, dass die Eier durch das Gewicht der Elterntiere zerbrachen. DDT wurde verboten. Aber es dauerte rund 30 Jahre bis die Vogelpopulationen sich von der Wirkung dieses Gifts erholt hatten.

Auch der Stammbaum der Vögel konnte mit Hilfe von historischen Eiern aufgestellt werden. Aus der im Inneren der Eierschale verbleibenden dünnen Haut (Membran) konnte die Erbsubstanz (DNA) des Vogels isoliert werden. Viele Lücken im Stammbaum wurden so mit Hilfe historischer Eier geschlossen. Selbst die Einordnung bereits ausgestorbener Vogelarten war damit möglich.

Bei Untersuchungen der Farben von Vogeleiern zeigte sich, dass die ganze Vielfalt der Farben und Muster auf das Zusammenspiel von zwei Farbstoffen beruht. Biliverdin, ein Blutabbauprodukt, ist für die blauen und grünen Farbtöne verantwortlich. Die ganze Vielfalt der gelben, roten und braunen Farben entsteht durch den Farbstoff Protoporphyrin, einer Vorstufe des Blutfarbstoffs Hämoglobin.

Wie genau die unendliche Vielfalt an Farben und Muster mit nur zwei Farbstoffen möglich ist, konnte bis heute nicht geklärt werden. Aber die Untersuchung historischer Eier von ausgestorbenen Vogelarten zeigte, dass auch sehr alte Vogelarten diese beiden Farbstoffe für die Färbung ihrer Eier einsetzten.

Seit ungefähr 15 Jahren wird an historischen Eiersammlungen geforscht, ob Vögel ihre Eier mit UV-Markern zieren. Das Vogelauge hat vier Fotorezeptoren und Vögel sehen auch im UV-Bereich. Der Mensch verfügt nur über drei Fotorezeptoren. Sind die vielen weißen Eier am Ende nur für das menschliche Auge weiß?

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