DSC02163

Meteorologisch ist es schon lange Herbst. Doch wir schauen optimistisch auf unseren Kalender. Dort fängt der Herbst erst am 23. September an. Wir haben kalendarisch gesehen also noch Sommer. Nun sind sie wieder zu sehen. Die feinen, filigranen Gebilde, die überall hängen wie dünne, graue Haare. Daher rührt wohl der Name Altweibersommer. Spinnennetze in den schönsten Varianten. Der morgendliche Tau macht sie sichtbar. Kühle und feuchte Morgen verraten uns, wo die Spinnen ihre Netze gebaut haben und wo sie auf ihre Opfer lauern.

Die Netze, die uns besonders ins Auge fallen, sind meist Netze der Radnetzspinnen. Sie hängen zwischen Grashalmen, an Brücken, versperren uns Wege und Türen. 

 

Bei genauem Hinschauen fällt auf, wie kunstvoll sie gebaut sind. Für jede Art gibt es ein bestimmtes Muster, nach dem das Netz erbaut wird. Die bei uns wohl bekannteste und verbreitetste Rad- netzspinne ist die GartenkreuzGartenkreuzspinnespinne (Araneus diadematus). Benannt nach dem markanten, weißen Kreuz auf ihrem Körper. Sie ist überall anzutreffen. Kleine, noch zarte Individuen und große Exemplare mit mächtigem, nach oben gewölbtem Körper. Auch ihre Beine zeigen ein Muster. Sie sind braun und cremefarben gestreift, wie eine lustige Ringelstrumpfhose. Die Gartenkreuzspinne ist auch tagaktiv und sitzt häufig tagsüber in der Netzmitte. Oft sehen wir jedoch nur die Netze. Die Künstlerin ist gut versteckt. Sie lauert in einer Ecke, unter einem Ast oder eng an einen Halm geschmiegt. Wenn das Netz sanft zittert kommt sie hervor. Das ist das Signal, dass ein Insekt in das Netz gegangen ist. Zeit für eine Mahlzeit Doch die Spinne frisst die Beute nicht sofort. Sie wird betäubt und eingesponnen. Später dann kommt sie zurück und saugt ihr Opfer aus.

 

Im Herbst kommen sie wieder näher. Sie ziehen ein in unsere Häuser und andere Bauten. Sie suchen die Wärme. Spinnen sind wechselwarme Tiere, genau wie die Insekten, zu denen sie aber nicht    gehöreDSC02165n. Spinnentiere und Insekten werden zusammen in den Tierstamm der Gliedertiere eingeordnet. Doch dann trennen sich ihre Wege. Hier die Klasse der 6-beinigen Insekten und dort die Klasse der 8-beinigen Spinnentiere.

Lassen wir sie ein wenig teilhaben an unserer Wärme und am Schutz, den unsere Häuser bieten. Sie haben kein Interesse an unserer Nahrung. Sie sind keine Krankheitsüberträger und kriechen nicht in unsere Betten. Auch stechen oder beißen sie nicht. Sie suchen einfach nur Wärme und Schutz. Geben wir ihnen einen Platz an unserer Zimmerdecke, in einer Ecke oder einem verborgenen Winkel. Wenn wir sie lassen, befreien sie uns von allerlei unerwünschten Bewohnern in unseren Häusern. Spinnen sind die ökologische Variante der Insektenbekämpfung. Und wer es gar nicht ertragen kann mit einer Spinne unter einem Dach zu leben, der sollte sie wohl behalten nach draußen an einen geschützten Platz setzen. Dann kann sie sich ein neues Netz bauen und einen Unterschlupf für den Winter suchen. Es gibt für wenig Geld käuflich zu erwerbende Insektenfänger oder man nimmt ein Glas und eine Karte oder ein Stück Papier. Das Glas mit der Öffnung über die Spinne setzen und die Karte oder das Papier langsam unter die Öffnung schieben. So hat die Spinne Zeit, auf die Karte zu kriechen. Nun einfach die Karte mit der Hand auf der Glasöffnung halten und die Spinne nach draußen tragen. Wer sich selber nicht überwinden kann, der findet vielleicht eine 2-beinige Heldin in der Nähe, die hier hilfreich zur Seite steht.