Haselnuss und Mandelkern

Heute fiel mir ein seltsamer Fruchtstand vor die Füße. Und als ich genauer hinschaute, sah ich sie unter jedem Baum liegen. In großen Mengen hatten sich diese futuristisch anmutenden Fruchtstände auf der Straße angesammelt. Die eigentliche Frucht sah aus wie eine etwas zu klein geratene und sehr kantige Haselnuss. Und diese lagen in Unmengen im Rinnstein. Oder hatte der Baum eine Krankheit?

 

Baumhaseldetail

Also Fruchtstände, Nüsse und Blätter gesammelt und Zuhause nachgeschaut. In meinem Buch über Nadel- und Laubbäume in Europa fand ich den Baum. Es handelt sich hier um die Baumhasel (Corylus colurna). Verwandt mit unserem einheimischen Haselstrauch (Corylus avellana), gehört er in die Familie der Birkengewächse (Betulaceae). Im Gegensatz zum Haselstrauch handelt es sich hier aber um keinen Strauch, sondern um einen echten Baum. Er wächst einstämmig und ist schnellwüchsig mit z.T. über 1 m langen Trieben. Der Baum wird bis zu 200 Jahre alt und kann in Einzelfällen eine Höhe von 31 m erreichen. Sein Ursprung liegt im Balkan bis über die Türkei, Nordiran bis Afghanistan. Die Bestände in Südeuropa wurden in den letzten Jahren stark übernutzt und in der freien Natur ist dieser Baum fast ausgestorben. Selbst in seinen Ursprungsländern ist er inzwischen weitgehend unbekannt.Baumhaselkomplett

Der Baum ist sehr robust und wird aus diesem Grund gern als Straßenbaum gepflanzt. Der kluge (?) Mensch passt die Natur der heißgeliebten Technik an, nicht umgekehrt. Da der Klimawandel nun nicht mehr zu leugnen und wohl auch nicht wirklich aufzuhalten ist, bereitet sich die Forstwirtschaft klug vorausschauend auf unruhige Zeiten vor. Die Baumhasel kann mit ihrem ausgedehnten Pfahlwurzelsystem auch auf extremen Böden Fuß fassen. Sie kommt mit extremer Trockenheit und längeren Überflutungen zurecht. Dürre löst Überschwemmung ab. Es laufen bereits Aufforstungsversuche in Deutschland mit diesem robusten Baum, der für die Möbelindustrie sehr hochwertiges Holz liefert. Dieses Holz ist bekannt als „türkisch Nuss“. Da das Holz nicht fault, ist es auch im Wasserbau einsetzbar. Weniger hochwertige Ware eignet sich auf Grund des hohen Brennwertes exzellent als Brennholz. Also schaut Euch den Baum gut an. Es könnte in unseren Breiten der zukünftige, klassische Waldbaum werden. Nicht sehnsüchtig die Eiche oder die Buche anhimmeln. Die Baumhasel ist unser Baum der Zukunft.

Die Blätter stehen wechselständig am Ast, sind herzförmig und zugespitzt, am Rand doppelt gesägt. Die Baumhasel ist einhäusig, d.h. die männlichen und weiblichen Blüten befinden sich gemeinsam an einer Pflanze. Die männlichen Blüten kann man, wie bei unserer heimischen Hasel, bereits im Herbst als grüne Kätzchen in den Blattachseln hängen sehen. Die empfindlichen weiblichen Blüten mit der Samenanlage sind in Knospen eingehüllt. Die Blütezeit ist im März/April. Die Baumrinde ist schuppig und rissig, graubraun oder blass braun, manchmal leicht rötlich. Sie ist korkig und erinnert mich an die Rinde der Waldkiefer.

BaumhaselrindeDie Baumhasel wird durch den Wind bestäubt. Das heißt, es werden Unmengen an Pollen freigesetzt. In einem Review aus dem Jahr 2012 zum Thema Klimawandel und Pollenallergie der Stiftung Deutscher Polleninformationsdienst, Berlin und der Europäischen Stiftung für Allergieforschung, Berlin wird die Baumhasel (Corylus colurna) in die Kategorie 1 der Bäume mit besonders hohem Allergiepotential eingestuft. In dem Review wird davon abgeraten diesen Baum vermehrt anzupflanzen. Hm, also doch nicht der ideale Baum für unruhige Zeiten? Dann passen wir den Menschen halt der angepassten Natur an. Des basst dann scho, wie der Franke sagt.

Und nun zur wichtigsten Frage: Ja, die relativ kleinen und eher kantigen Nüsse sind essbar und sollen sehr schmackhaft sein. Da ich Haselnüsse nicht essen darf, habe ich noch keinen Selbstversuch gestartet. Aber mein Hund liebt die kleinen Nüsse. Ob die Eichhörnchen das auch wissen? Ich habe unter diesen Bäumen noch keines gesehen.

In den allerorts wachsenden, heimischen Haselsträuchern sieht man sie zurzeit emsig sammeln. Mit großen Nusspaketen huschen sie über die Wege, um ihren Schatz an einem sicheren Ort zu vergraben. Nun bleibt die Frage, ob sie alle Nüsse wieder finden. Nein, das tun sich nicht. Sie verstecken so viele Nüsse und Eicheln wie möglich, damit die Wahrscheinlichkeit größer ist, dass sie die eine oder andere im Winter zufällig wieder finden. Die, die nicht entdeckt werden, keimen dann aus. So forstet das Eichhörnchen auf und sorgt für reichlich Nahrung auch für zukünftige Generationen. Die Natur ist ein kluger Planer!